Über Sinn und Unsinn im Praktikum

Es soll schon vorgekommen sein, aber in den allermeisten Fällen ist das Klischee der Kaffee kochenden Praktikantin genau das, was es ist: ein Klischee. Nichtsdestotrotz gibt es eine Menge Dinge, die das Praktikant*innendasein erschweren oder zum kräftigen Kopfschütteln anregen. Ob ein Schulpraktikum, ein Praktikum im Rahmen des Studiums oder ein freiwilliges: Es soll Berufsorientierung bieten und außerdem die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Erfahrung kommt von erfahren

Das macht ein Praktikum wertvoll und hilfreich für den jungen Menschen, der es absolviert. Er erfährt, wie der Arbeitsalltag aussieht und ob ihm eine bestimmte Branche oder ein Beruf gefällt. Das kann er aber nicht nur durch beobachten lernen, denn Erfahrung kommt von erfahren und das funktioniert nur, wenn der*die Praktikant*in Aufgaben bekommt, die er*sie erfüllen soll. Dabei sollte es sich auf keinen Fall um anspruchslose Tätigkeiten handeln, denn die Person im Praktikum darf und soll gefordert werden. Zu kompliziert dürfen die Anforderungen aber auch nicht sein, deshalb wäre es hilfreich herauszufinden, was der*die Praktikant*in kann. Dafür reicht oft schon ein Blick in den Lebenslauf und ein paar persönliche Worte.

Zum Fragen ermutigen

Also lieber Praktikumsbetrieb, es ist durchaus ratsam, ein kleines Konzept vorbereitet zu haben, wie Praktikant*innen in den Betrieb integriert werden sollen. Man sollte wissen, welche Aufgaben sie erledigen können und wer ihre Ansprechpersonen sind. Bleiben diese Fragen ungeklärt, fühlt sich nicht selten niemand verantwortlich und die Praktikant*innen fühlen sich allein gelassen. Man sollte sie sogar zum Fragen ermutigen, denn nur so können sie lernen. Eine kleine Führung durch die eigenen Räumlichkeiten und Vorstellung der im Unternehmen vertretenen Tätigkeiten am Anfang des Praktikums, hilft den jungen Menschen, ein Gefühl für den Betrieb zu bekommen.

An den richtigen Stellen Zeit opfern

Grobe Erklärungen der Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten der Personen in der Abteilung, in der auch der*die Praktikant*in tätig ist, sind ein Muss. Sind all diese Dinge erstmal geklärt, bleibt der*die Praktikant*in nicht unwissend und muss auch wesentlich weniger Fragen stellen. An den richtigen Stellen Zeit zu opfern, erspart vermehrte Unterbrechungen im Arbeitsfluss und ist meist zeitsparender, als planlos vorzugehen. Es sollte auch niemals genervt auf Nachfragen reagiert werden, denn das hemmt den Praktikant*innen. Wenn sie zufrieden sind und sich in ihrer Umgebung sicher fühlen, werden sie auch produktiver sein.

Einführung in die benötigte Technik

Menschen im Praktikum sollen nach Möglichkeit ihre Aufgaben selbstständig erledigen. Deswegen das weit verbreitete Motto: Es lebe die Selbstständigkeit. Oft wird allerdings vergessen, dass auch Praktikant*innen nicht „hellsehen“ können. Deswegen lieber Praktikumsbetrieb: Eine Einführung und Erklärung zum Lösen der Aufgabe ist sehr hilfreich. Die Neuen können die im Unternehmen üblichen Vorgehensweisen nicht kennen. Also sprecht mit ihnen. Ebenso wichtig ist die Einführung in die benötigte Technik. Oft werden am Computer Programme benutzt, die nicht bekannt sind. Auch die müssen erst erklärt werden, bevor sie genutzt werden. Aussagen wie „jaja mach mal“ sind unglücklich, noch unglücklicher ist allerdings, wenn die zur Verfügung gestellten Mittel und Techniken nicht funktionsfähig sind oder die Mitarbeiter*innen selbst nicht wissen, wie sie zu bedienen sind. Deshalb sollte auch das sichergestellt werden.

Wenn Person A, B und C unterschiedliche Meinungen haben

Die bereits erwähnten im Unternehmen üblichen Vorgehensweisen werden genau dann spannend, wenn Person A, B und C völlig unterschiedliche Meinungen dazu vertreten. Praktikant*innen befinden sich dann in einem Konflikt, denn sie wissen nicht, an wem sie sich orientieren und wie sie handeln soll. Außerdem können sie dann aus Verbesserungsvorschlägen nicht lernen, wenn diese von anderen Mitarbeiter*innenn kritisiert werden. Also lieber Praktikumsbetrieb: Einigt euch intern, denn das zeigt kein schönes Bild nach außen. Ebenso wie interne Streitereien und Konflikte, die vor Praktikant*innen ausgetragen werden. Natürlich gehört auch das zum Arbeitsleben dazu, aber je unsachlicher es wird, desto peinlich ist es für das Unternehmen. Diese Situation sollte man beiden Seiten ersparen.

Jung, unwissend und zeitraubend

Ein letzter Hinweis: Praktikant*innen sind Menschen. Ja, es stimmt: Sie kommen und gehen. Bei oft wechselnden Praktikant*innen geht das Individuum gern in der Masse unter. Sie werden zum nervigen Objekt. Jung, unwissend und zeitraubend. Ja, teilweise ist das wahr. ABER: Alle fangen mal klein an – habt ihr auch – und eigentlich kann man sich auch geschmeichelt fühlen, schließlich zeigen sich die Praktikant*innen am eigenen Beruf und Unternehmen interessiert. Das ist eine Gemeinsamkeit und auch die Zukunft für die Unternehmen oder die Branchen. Deswegen: Ein freundlicher Umgang und ein bisschen Interesse an der einzelnen Person helfen beiden Seiten, miteinander umzugehen und die Praktikant*innen fühlen sich gleich wohler. Wie das Interesse am Unternehmen und dem Beruf entstanden ist, sind Fragen, die naheliegen und wer weiß, vielleicht bekommt ihr irgendwann auch mal eine Antwort, die überrascht. Ihr gebt den Praktikant*innen so auf jeden Fall die Möglichkeit, wieder als Individuum wahrgenommen zu werden und sich integriert zu fühlen.