Wie kann man junge Menschen für Journalismus begeistern?

Wie kann man junge Menschen für Journalismus begeistern? Diese Frage kann man in zwei Richtungen verstehen, nämlich: Wie kann man junge Menschen dafür begeistern, journalistische Medien zu rezipieren oder wie kann man junge Menschen dafür begeistern, Journalist*innen zu werden?

Ersteres habe ich sowohl in meinem Journalismus-Bachelor als auch meinem Journalistik-Master Studium auf verschiedenste Weisen immer wieder diskutiert oder auch erforscht. Es ist eine der zentralsten Fragen unserer Zeit, in der die Auflagen von Printmedien sinken und öffentlich-rechtliche Sender einen „verstaubten“ Ruf haben und oft als „alte Leute“-Programme angesehen werden. Ich habe immer Lust, mit neuen Formaten und Erzählweisen zu experimentieren bzw. diese mit alt Bewährtem zu verbinden, um der Antwort auf die Frage, wie man diese jungen Menschen erreichen kann, näher zu kommen.

Mir kamen Zweifel

Ich möchte Journalistin werden seit ich 14 Jahre alt war, denn da begann ich, für meine heimischen Tageszeitung den Iserlohner Kreisanzeiger zu schreiben. Ich war begeistert, Feuer und Flamme. Schreiben war meine Leidenschaft. Es war für mich klar, dass ich diesen Weg gehen werde und auch Journalismus studiere. Viele Jahre hätte ich nicht gedacht, dass ich daran jemals zweifeln würde. Doch gegen Ende meines Bachelor-Studiums und während meines Master-Studiums in meiner Lieblingsstadt Hamburg stellte ich mir immer öfter die Frage: Wie kann man junge Menschen dafür begeistern, Journalist*innen zu werden in einer Zeit wie dieser?

In einer Zeit, in der wir alles können müssen, aber kaum etwas verlangen dürfen – eine angemessene Bezahlung zum Beispiel. In einer Zeit, wo wir zig unbezahlte Praktika machen müssen in teuren Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München, wo man keinen bezahlbaren Wohnraum findet. Denn: Die dort ansässigen Medien sind die, die wirklich zählen. Zumindest erzählt man uns das. Natürlich haben wir alle auch mal in lokalen Tageszeitungen oder Radio-Sendern gearbeitet und das ist gut so. Doch wer den nächsten Schritt wagen möchte, muss mehr sehen und machen, so viel wie möglich. Der muss schon alles können und mehrstufige Bewerbungsverfahren durchlaufen für Praktika und Werkstudent*innenjobs.

Wer es sich nicht leisten kann, bleibt auf der Strecke

Dafür braucht man Geld, Geld was man in der Regel nicht hat, wenn man studiert. Das Mittel der Wahl sind Eltern, die es sich leisten können oder Studienkredite, die man dann irgendwann mit seinem sehr wahrscheinlich schlechtem Volontariatsgehalt abbezahlen muss. Wer diese Eltern nicht hat und letzteres aus guten Gründen nicht will, bleibt auf der Strecke oder arbeitet nochmal härter, als ohnehin schon alle arbeiten. Denn wir alle haben ein Ziel vor Augen: Journalist*in zu sein.

Aber was, wenn man keine Festanstellung bekommt – ist ja schließlich unwahrscheinlich heutzutage? Oder als Freie*r jeden Monat aufs Neue Angst hat, seine Miete nicht zahlen zu können? An Familie oder Altersvorsorge mag man da gar nicht denken. Wer kann bei diesen Aussichten nicht begeistert vom Journalismus sein?

Mir war alles egal, ich wollte nur Journalistin werden

Ich ging noch zur Schule, als ich die ersten Zeitungs- und Radiojournalist*innen nach den Zukunftsaussichten in meinem Traumjob fragte. Nicht ein*e einzige*r empfahl mir, diesen Weg zu gehen. Der Chefredakteur meiner heimischen Tageszeitung sagte einst zu mir: „Es gibt keine Gründe, diesen Weg zu gehen, es sei denn, du brennst wirklich dafür. Dann hast du keine Wahl.“ Und ich brannte, ich brannte so sehr und war naiv. Mir war alles egal, ich wollte nur Journalistin werden, weil mich nichts so begeisterte, nichts so neugierig machte und nichts so erfüllte.

Viele meiner (ehemaligen) Kommiliton*innen haben sich gegen den Journalismus entschieden. Die Bewerber*innenzahlen auf die Volontariatsplätze sinken seit einer Weile. Um bei renommierten Journalist*innenschulen oder öffentlich-rechtlichen Sendern rein zu kommen, braucht es aber natürlich immer noch viel, das man vorweisen kann. Kleine Tageszeitungen hingegen berichten teilweise, dass sie unterqualifizierte Volontär*innen einstellen müssen. Die vielen Gäste aus der Praxis, die meine Komiliton*innen und mich während des Studiums besuchten, machten auch selten Mut und berichten von schwierigen Zuständen. 

Wie kann man junge Menschen also dafür begeistern, Journalist*innen zu werden?

Wie kann man junge Menschen also dafür begeistern, Journalist*innen zu werden? Indem man die eben aufgezählten Missstände probiert umzukehren bzw. dagegen zu arbeitet. Natürlich kann das nicht ein Medienhaus alleine, innerhalb einer ganzen Branche, die kriselt. Ein wichtiger Anfang ist, anzuerkenne, dass es diese Probleme gibt. Ebenfalls sinnvoll ist es, die jungen Menschen mit ihren neuen Ideen nicht auszubremsen, sondern zu unterstützen und zu akzeptieren, dass sich auch der Journalismus mit einer neuen Generation wandelt. Ich habe kein Patentrezept, aber ich denke ein Austausch auf Augenhöhe kann helfen.